Cookie-Scanner: So finden Sie heraus, was Ihre Webseite wirklich tracked
Manuelle Cookie-Inventur ist fast immer falsch — moderne Webseiten setzen mehr Cookies, als die Entwickler vermuten. Wie ein Cookie-Scanner funktioniert, wie Sie selbst eine schnelle Inventur machen, und wo automatische Lösungen sinnvoll sind.

«Wir wissen, welche Cookies wir setzen.» Diese Aussage höre ich oft — und sie stimmt fast nie. Bei jedem zweiten Cookie-Audit decke ich Tracking-Tools auf, von denen weder die Webagentur noch der Geschäftsführer wussten. Hier erkläre ich, warum manuelle Inventur fast immer schief geht, wie ein automatischer Scanner funktioniert, und wann sich welcher Ansatz lohnt.
Warum manuelle Inventur fast immer falsch ist
Die meisten Webseitenbetreiber denken: «Wir nutzen Google Analytics und einen Newsletter-Service. Mehr läuft nicht.» Tatsächlich:
- Embed-Tools (YouTube, Vimeo, Calendly) setzen eigene Cookies, die oft vergessen werden
- CDN-Provider (Cloudflare, jsDelivr) können Cookies setzen, die nicht zur eigentlichen Webseite gehören
- CMS-Plugins (insbesondere bei WordPress) bringen oft eigene Cookies mit, die der Admin nicht kennt
- Dynamisches Tag-Loading über Tag Manager kann Tools laden, die im Backend konfiguriert sind, aber dem Frontend-Team nicht bewusst sind
- Drittanbieter-Skripte (Live-Chat, Heatmaps, A/B-Test-Tools) bringen oft mehrere Cookies pro Tool
Realität: Wer denkt, er habe 5 Cookies, hat meist 15. Wer 15 schätzt, hat 30.
Wie ein automatischer Scanner funktioniert
Ein moderner Cookie-Scanner arbeitet in mehreren Schritten:
- Headless Browser starten (typischerweise Chromium via Playwright oder Puppeteer)
- Webseite aufrufen wie ein normaler Besucher
- Cookies auslesen nach dem ersten Page-Load
- Interaktionen simulieren — Cookie-Banner schliessen, Links klicken, Formulare füllen
- Erneut Cookies auslesen — viele Cookies werden erst nach Interaktion gesetzt
- Unterseiten besuchen — Sitemap oder interne Links durchgehen
- Local Storage und Session Storage erfassen — auch das sind Tracking-Mechanismen
- Tracking-Pixel identifizieren — Bilder, die HTTP-Requests an Drittserver senden
- Bericht erstellen — Cookie-Liste mit Anbieter, Zweck (wenn aus Bibliothek bekannt), Speicherdauer
Der Aiara-Scanner geht zusätzlich noch tiefer: er identifiziert dynamisch geladene Tracking-Skripte, prüft DSG-relevante Datenexporte und gleicht die Resultate gegen eine Cookie-Datenbank ab, um automatisch zu klassifizieren (notwendig / Statistik / Marketing).
Manuelle Schnell-Inventur mit DevTools
Wenn Sie eine schnelle Inventur Ihrer eigenen Webseite machen wollen:
- Inkognito-Modus öffnen im Chrome (verhindert, dass alte Cookies das Bild verfälschen)
- DevTools öffnen mit F12 oder Cmd+Option+I
- Application Tab → Cookies → Ihre Domain
- Sehen Sie sich Erste-Party-Cookies an — gesetzt von Ihrer eigenen Webseite
- Wechseln Sie zu Drittanbieter-Domains in der Cookie-Liste — Google, Meta, etc.
- Network Tab → Filter «Doc» und «Script» → schauen Sie, welche Drittanbieter-Skripte geladen werden
- Local Storage und Session Storage ebenfalls in Application Tab prüfen
Diese Inventur findet etwa 60-70 % aller Cookies einer Webseite. Den Rest entdeckt nur ein automatischer Scan, der Unterseiten, Logins und Formulare durchläuft.
Was Tracking ohne Cookie macht
Eine Falle, die viele übersehen: nicht jedes Tracking braucht ein Cookie. Häufige Cookie-Less-Tracking-Mechanismen:
- Local Storage — wie ein Cookie, aber technisch anders, oft nicht in Cookie-Listen
- Session Storage — temporär, aber bei einigen DSG-Definitionen ebenfalls als Personendaten zu behandeln
- Tracking-Pixel — winzige Bilder, die einen HTTP-Request mit Tracking-Parametern an Drittserver senden
- Server-Side-Tracking — Daten werden direkt vom Server zu Google/Meta gesendet, der Browser sieht nichts
- Fingerprinting — Identifizierung über Browser-Eigenschaften (Schriftarten, Plugins, Bildschirmgrösse) ohne Cookie
Ein guter Scanner erfasst zumindest die ersten drei Kategorien. Server-Side-Tracking und Fingerprinting sind nur durch Code-Review erkennbar.
Die häufigsten Cookies bei Schweizer Webseiten — und wofür sie da sind
Eine kurze Übersicht der Top 15:
| Cookie | Anbieter | Zweck | Kategorie |
|---|---|---|---|
| _ga | Google Analytics | User-Identifikation | Statistik |
| _gid | Google Analytics | Session-ID | Statistik |
| _gcl_au | Google Ads | Conversion-Tracking | Marketing |
| _fbp | Meta Pixel | Conversion-Tracking | Marketing |
| __hstc | HubSpot | User-Tracking | Marketing |
| hubspotutk | HubSpot | Cookie-Konsens | Marketing |
| hjSession* | Hotjar | Session-Recording | Statistik |
| YSC | YouTube Embed | Video-Statistik | Statistik |
| VISITOR_INFO1_LIVE | YouTube Embed | User-Präferenz | Statistik |
| __cf_bm | Cloudflare | Bot-Schutz | Notwendig |
| PHPSESSID | Webserver | Session | Notwendig |
| _csrf | Webframework | CSRF-Schutz | Notwendig |
| consent_v1 | Aiara Banner | Consent-Speicherung | Notwendig |
| _calendly_session | Calendly | Termin-Buchung | Funktional |
| __stripe_mid | Stripe | Zahlungs-Sicherheit | Notwendig |
Diese 15 Cookies decken etwa 80 % aller Schweizer KMU-Webseiten ab. Den Rest machen branchenspezifische Tools aus.
Aiara-Scanner — was er konkret tut
Der Aiara-Scanner besucht eine Webseite mit Headless Chromium, klickt durch bis zu 600 Unterseiten, simuliert verschiedene Nutzer-Interaktionen und produziert eine Cookie-Liste mit:
- Cookie-Name und Anbieter
- Vermutete Kategorie (basierend auf Cookie-Datenbank)
- Speicherdauer (aus den HTTP-Headers)
- First-Party vs. Third-Party
- Datenexport-Land (basierend auf der Anbieter-Datenbank)
- DSG-Konformitäts-Hinweise (z.B. «Marketing-Cookie ohne Consent geladen»)
Die Resultate werden direkt in den Cookie-Banner und die Datenschutzerklärung übernommen. Bei Veränderungen — etwa neuer Tool-Integration durch das Marketing-Team — meldet sich der Scanner automatisch.
Wer braucht einen automatischen Scanner?
Als Faustregel:
- Reine Visitenkarten-Webseiten (statisch, kein Marketing) → manueller DevTools-Check reicht
- KMU mit Standard-Marketing-Stack (Google Analytics, Newsletter) → quartalsweiser Scan
- E-Commerce, Multi-Tool-Marketing-Stacks → kontinuierlicher Scan empfehlenswert
- Webagenturen mit vielen Kunden → unbedingt automatisierte Lösung, sonst nicht skalierbar
Der Aufwand für einen sauberen monatlichen Scan ist deutlich kleiner als der einer einzigen EDÖB-Untersuchung — und die Wahrscheinlichkeit, einen versteckten Tracking-Pixel zu finden, ist hoch.
Häufige Fragen
Was ist ein Cookie-Scanner?
Ein automatisiertes Tool, das eine Webseite wie ein echter Browser besucht und alle gesetzten Cookies, Local-Storage-Einträge und Tracking-Pixel protokolliert. Im Gegensatz zur manuellen Inventur erkennt er auch Cookies, die nur auf bestimmten Unterseiten oder nach Nutzer-Interaktion gesetzt werden.
Wie viele Cookies hat eine durchschnittliche Schweizer KMU-Webseite?
Meist zwischen 10 und 30 Cookies — und 5 bis 15 Tracking-Pixel oder Local-Storage-Einträge. Je mehr Marketing-Tools im Einsatz, desto mehr. Ein typisches Schweizer Restaurant: ca. 8 Cookies. Ein E-Commerce-Shop mit Marketing-Stack: gut 40.
Kann ich meine Cookies auch manuell finden?
Ja, mit den Browser-DevTools (F12 → Application → Cookies). Aber: Sie sehen nur Cookies, die auf der konkret aufgerufenen Seite gesetzt werden — nicht solche, die erst nach Klicks oder auf Unterseiten erscheinen. Ein automatischer Scanner besucht die ganze Webseite.
Was kosten Cookie-Scanner?
Zwischen kostenlos (für eine schnelle Inventur einer einzelnen Webseite) und CHF 50-200/Monat für professionelle Lösungen mit kontinuierlicher Überwachung. Aiaras Public-Scanner ist kostenlos für eine schnelle Stichprobe, der Pro-Scan ist im Domain-Abo (CHF 240/Jahr) inklusive.
Wie oft sollte ich scannen lassen?
Bei jedem grösseren Website-Update sowieso. Ohne Updates: mindestens vierteljährlich. Wer Marketing-Tools regelmässig integriert (Newsletter-Tool, Webinar-Plattform, neuer Werbe-Pixel): monatlich. Bei Aiara läuft der Scan automatisch im Hintergrund.
Bereit für sauberen Cookie-Consent?
Aiara macht Cookie-Banner, Datenschutzerklärung und Impressum für Ihre Webseite — DSG- und DSGVO-konform.
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